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Wachstumsfaktoren Nachhaltigkeit und Homing
Ingolf Ripberger im Gespräch

Deutschland gilt zurzeit als Wachstumsmarkt und Vorreiter bei der wirtschaftlichen Erholung innerhalb der EU. Wirkt sich dies auch auf den Baubereich aus, dort insbesondere auf die glasverarbeitenden Betriebe? Und wohin geht die Reise in Zeiten von EnEV und steigen-der Rohstoff- und Energiepreise? Glas + Rahmen befragte Ingolf Ripberger, Geschäftsführer der Saint-Gobain Deutsche Glas GmbH.

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Glas + Rahmen: Herr Ripberger, wie hat sich der Glasmarkt entwickelt nach der Finanzkrise?

Ingolf Ripberger:
Das vergangene Jahr war für die Baubranche insgesamt und damit natürlich auch für die Glasbranche zumindest zum Jahresbeginn schwierig. Schuld war der schneereiche und kalte Winter. Wir konnten dies jedoch durch ein starkes Herbstgeschäft kompensieren, vor allem in unserem Segment Fenster/Fassade/Wintergarten.
2009 hatte die Deutsche Glas vorausschauend ihre Produktionsmittel auf den erwarteten stark steigenden Anteil von Dreifach-Verglasungen ausgerichtet. Mit intensiver Basisarbeit hatten wir unsere Kunden für dieses Thema sensibilisiert. Mit unserer Produktpalette von Energiespargläsern, die auf die neue EnEV ausgerichtet sind, haben wir von diesem Wachstumsmarkt besonders profitiert, denn der Anteil von Dreifach-Isolierglas ist tatsächlich sehr stark gestiegen.

Glas + Rahmen: Wird sich dieser Trend Ihrer Meinung nach fortsetzen?

Ingolf Ripberger:
Ich sehe zwei unterschiedliche Tendenzen: Trotz des momentanen Konjunkturwachstums insgesamt schätze ich die Baubranche verhalten optimistisch ein. Der Effekt des Konjunkturprogramms II, dem wir einen deutlichen Schub in 2010 zu verdanken hatten, wird zwar in 2011 substanziell geringer sein und die KfW-Fördermittel werden dieses Jahr erneut zurückgefahren. Andererseits haben wir zwei Wachstumsbereiche: Erstens der Trend zur ressourcenschonenden Bauweise wird sich weiter verstärken. Dies ist ordnungspolitisch gewollt, aber auch ökonomisch sinnvoll aufgrund der steigenden Energiepreise. Hier ist die Deutsche Glas mit ihrer Warmen Kante, dem Swisspacer und dem Swisspacer V, und den Energiespargläsern wie etwa Climatop Max und Climatop Lux und ihren jeweils vorspannbaren Varianten gut aufgestellt. Vor allem die vorspannbaren Gläser sind wichtig, um die Anforderungen des Objektbaus an hochdämmende Energiespargläser erfüllen zu können. In Verbindung mit den entsprechenden Sonnenschutzschichten sind wir in diesem Bereich hervorragend aufgestellt. Zweitens wird der Trend zum „Homing“ andauern – darunter versteht man das Verschönern des eigenen Heims im Innenbereich, um sich dort mit Familie und Freunden wohl zu fühlen. Wie Trendforscher ermittelt haben, spielen hier Farben eine immer stärkere Rolle. Auch hier haben wir mit farbigen Gläsern wie Decolit, Seralit, Stadip Color, aber auch mit außergewöhnlichen Produkten wie Floatstone, ein VSG mit Natursteinschicht, die passenden Antworten. Meine Prognose für die Deutsche Glas lautet also: Wir werden in einem stabilen bis leicht rückläufigen Markt dennoch wachsen.

Glas + Rahmen: Wie ermitteln Sie wichtige Trends, um dann entsprechend vorausschauend Produkte entwickeln zu können?

Ingolf Ripberger:
Wir haben sozusagen ein eigenes Konjunktur- und Trendbarometer, das von Experten aus den unterschiedlichsten „Gewerken“ des Bauens gefüttert wird. Hier profitieren wir natürlich sehr stark von der Saint-Gobain-Gruppe, die vom Glas über Wärmedämmung oder Trockenbau bis zum Dach die gesamte Palette des Bauens abdeckt. Dieser Austausch findet sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene statt. Auf den Märkten des Wohnens und Arbeitens entwickeln wir auch zukünftig gemeinsam mit unseren Saint-Gobain-Schwestergesellschaften und unseren nationalen und internationalen Zentren für Forschung und Entwicklung neue innovative Produkte und Systemlösungen – mit hohem Mehrwert für unsere Kunden. Zusätzliche Impulse erfahren wir außerdem aus dem eigenen Deutsche Glas-Innovationskreis.

Glas + Rahmen: Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?

Ingolf Ripberger:
Deutschland ist Vorreiter beim europäischen Wachstum, was vor allem dem steigenden Export der Branchen Maschinenbau und Automobil geschuldet ist. Für die deutsche Glasverarbeitung wird der Export jedoch weiter zurückgehen, da gerade unsere Nachbarländer mit großen Problemen im Bausektor zu kämpfen haben. Auf dem gleichbleibenden deutschen Markt wird es also enger werden. Zudem werden die Rohstoff- und Energiepreise steigen und damit auch der Druck auf die Margen. Wir begegnen dem mit einer noch stärkeren Spezialisierung unserer vier Geschäftsfelder Fenster/Fassade/Wintergarten, Solar, Innenausbau und Spezialprodukte aus Glas sowie der gezielten Ausweitung unseres auf die jeweiligen Zielgruppen zugeschnittenen Serviceangebots. Dazu zählt auch unsere bereits vor drei Jahren ins Leben gerufene Partnerschaft Glas nach Maß, die sich sehr positiv entwickelt. Mit diesem Partnerschaftskonzept für den Innenausbau bietet die Deutsche Glas ihre hochwertigen Produkte auch Privathaushalten an – zusammen mit Partnern in verschiedenen deutschen Städten. Glas nach Maß ist ein Rundum-Service von der Beratung bis zur Montage und bietet damit einen klaren Vorteil gegenüber standardisierten Billigangeboten.
All diese Maßnahmen zusammen genommen lassen mich positiv in die Zukunft schauen.

Glas + Rahmen: Herr Ripberger, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Aachen, Januar 2011



Ansprechpartner für die Presse: Marcel Fila

SAINT-GOBAIN Deutsche Glas GmbH - Marketing
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